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Wer wir sind und wofür wir stehen

Wir sind "Chronisch Akademisch", ein Netzwerk behinderter und chronisch kranker Wissenschaftler_innen. Wir befinden uns im Aufbau und freuen uns über alle Akademiker_innen, oder andere Personen mit hilfreicher Expertise und Energie herzlich bei uns willkommen. 

Wir laden alle Akademiker_innen ein, die aufgrund ihres körperlichen und/oder mentalen Zustandes von Strategien zur Bewältigung von Hürden in ihrer akademischen Umwelt, gegenseitiger psychosozialer Unterstützung, und Mentoring profitieren können. 

Das Netzwerk wendet sich an betroffene Personen an den unterschiedlichsten Stellen ihrer akademischen Laufbahn - seien es Professor_innen, Dozent_innen, Postdoktorand_innen, Doktorand_innen, oder wissenschaftliche Hilfskräfte. Beitreten kann jede Person, die sich mit der Bezeichnung physisch und/oder psychisch herausgefordert, behindert oder chronisch krank identifiziert, bzw. aufgrund ihrer körperlichen oder seelischen Verfassung von der Unterstützung unseres Netzwerkes profitieren kann. So richtet sich unser Angebot sowohl an Personen mit sichtbarer Beeinträchtigung wie beispielsweise Mobilitäteinschränkung, Blind- oder Taubheit als auch an Menschen mit (teils) unsichtbaren Krankheiten wie z.B. Herzkrankheiten, Asthma, Magen-Darm-Krankheiten, Legasthenie, Depressionen, oder Persönlichkeitsstörungen usw.

Wir verstehen uns als eine Plattform für Lösungen. 

Wer taub ist, einen Lehrauftrag erhält, und die Fragen der Studierenden nicht versteht 

Wer auf eine Konferenz geht, kein Taxiunternehmen findet, das einen Rollstuhl mitnimmt, keinen Aufzug im Konferenzgebäude findet und auch kein zugängliches Hotel in unmittelbarer Nähe findet

Wer rot-grün-blind ist und bildliche Darstellungen auf Publikationen nicht lesen kann 

Wer Legastheniker_in ist und Hilfe beim Korrekturlesen für Publikationen braucht oder Hilfe bei der Beantragung einer Lesehilfe braucht

Wer sehbehindert ist und auf Powerpointpräsentationen regelmäßig nichts erkennt oder Probleme hat, mathematische Formeln in Braille zu entziffern 

Wer blind ist und seine Betreuer_innen davon überzeugen muss, dass er die Laborsicherheit nicht gefährdet

Wer ADHS oder CFS hat und 15-Stunden-Schichten schieben muss

Wer von seiner Betreuung aufgrund einer bestehenden Erkrankung erniedrigt wird ("keine Extrawurst für dich", "Du versteckst dich hinter deiner Krankheit", "Erzähle mir bitte haargenau, was du hast - ich muss das wissen, immerhin bin ich dein Chef", "Es muss nicht jeder promovieren, die Wissenschaft ist ein hartes Geschäft", "Nur die Besten kommen bei uns vorwärts, die Wissenschaft ist ein hartes Geschäft")

Wer keine Vorträge halten kann, weil er so nervös ist, dass er mit normalen Bewältigungsstrategien nicht weiterkommt

Wessen Antrag auf Kostenerstattung für krankheitsbedingten Mehraufwand abgelehnt wurde

kann unser Netzwerk um Lösungen anfragen. 

Wir wenden uns explizit auch an Akademiker_innen, die aufgrund ihres körperlichen und/oder mentalen Zustandes mit ihrer akademischen Umwelt hadern, jedoch keine Diagnose haben, sich weder mit "chronisch krank", noch "behindert", "herausgefordert" o.ä. identifizieren, oder nicht wissen, wie sie sich identifizieren sollen. 

Unser Ziel ist es, die Stimme behinderter und chronisch kranker Wissenschaftler_innen im Wissenschaftsbetrieb hörbarer zu machen, einander mit Rat zur Seite zu stehen sowie Informationen auszutauschen. Längerfristig möchten wir als Ansprechpartner_innen bei Konflikten auftreten, die wohl jeder von uns in seiner wissenschaftlichen Existenz schon einmal erlebt hat und diese gemeinsam lösen. Derzeit umfasst unser Angebot Informationsressourcen, von denen wir hoffen, dass sie Betroffenen das Leben erleichtern können, dazu richten wir einen Kummerkasten ein, bei dem man sich bei Problemen informell, anonym und vertraulich an uns wenden kann (- wir sind aber keine ausgebildeten Zuhörer_innen, sondern selbst Betroffene und deren Freund_innen). Längerfristig möchten wir auch Mentoring anbieten.

Explizit richtet sich ein Teil unserer Arbeit auch an Personen, die selbst nicht von einer Behinderung oder chronischen Krankheit betroffen sind. So finden Sie bei uns auch Informationen, wie beispielsweise das eigene Labor bzw. eigene wissenschaftliche Veröffentlichungen so gestaltet werden können, dass sie für Menschen mit Behinderung bzw. chronischer Krankheit (besser) zugänglich sind.

Eine akademische Laufbahn kann ein steiniger Weg sein umso mehr, wenn man eine Behinderung oder eine chronische Krankheit hat. Wir möchten, dass in unserer akademischen Laufbahn unsere Identität als Wissenschaftler_in im Vordergrund steht und nicht eine Behinderung oder chronische Krankheit.

Wir stehen für mehr Diversität im Wissenschaftsbetrieb und sind der Überzeugung, dass der Wissenschaftsbetrieb von mehr Diversität profitieren würde.